Neu, Daniel Landau, über "Ein Känguru wie Du"

Drehpunktkultur.at

THOMAS BERNHARD INSTITUT / ANTIKE UND KLEIST

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Das Gegenteil schafft Ebru Tartıcı Borchers Elektra. Ein Zusammenschnitt aus antiken Texten (Sophokles voran) lässt die Kinder des von ihrer Mutter ermordeten Agamemnon zu Wort kommen. Auf dem bis in alle Ecken entgrenzten und einzig aus Leitern hergestellten Bühnenbild gibt es für sie keinen sicheren Boden. Die Inszenierung wird ernst genommen, weil sie selbst ihr Material ernst nimmt. Das bedeutet keine Einschränkung sondern erlaubt ihr sogar, dem Stück orientalische Formen wie türkische Lamentationen einzubauen, die über die Lippen von Raban Bieling und Alaa Dyab überraschend angemessen klingen.

Schauspiel der Studenten: Anti-Elektra zelebriert ihre Familientragödie

Das Stück im Theatrum bringt die Tragödie verdichtet aus der Sicht von drei Schwestern auf die Bühne. Die Darsteller Raban Bieling, Nikita Buldyrski und Alaa Dyab schlüpfen mit femininer Gestik und männlicher Kraft in die Rollenbilder und förderten bei den Zuschauern durch ihre Darstellung Impulse, über Gerechtigkeit, Rache, Trauer und die Sehnsucht nach einer Familienidylle nachzudenken. In nicht einmal einer Stunde schaffte es die Inszenierung, die enthaltene Grausamkeit zielgerichtet zum unabwendbaren Finale zu führen.

Daniel Landau

“„Elektra“, nach Sophokles‬
‪Wie bereits gestern danach im Video festgehalten, kann nicht genau festmachen, womit genau mich diese grandiose Inszenierung von Ebru Tartıcı Borchers, bzw die ebenfalls großartige Umsetzung von Alaa Dyab, Nikita Buldyrski, Raban Bieling, so erreichte ❤️‬

‪Das Stück bewegte mich besonders, und zwar nachhaltig.‬

‪Unverändert vermute ich, es ist zuvorderst diese unglaublich „fragile emotionale Männlichkeit“(!), mit der diese drei speziellen Schauspieler die drei Schwestern Elektra, Chrysothemis und Iphigenia sind. Einfach riesig!”